Programmierung

Schlechte Codequalität kostet US-Unternehmen jährlich 2,41 Billionen Dollar

netcomputing.de Redaktion6. September 20235 Min. Lesezeit
Schlechte Codequalität kostet US-Unternehmen jährlich 2,41 Billionen Dollar
Photo by Radowan Nakif Rehan

Zusammenfassung

Codequalität entscheidet darüber, wie schnell ein Team Fehler findet, Software erweitert und Sicherheitslücken vermeidet. Laut einem Bericht des Consortium for Information and Software Quality kostete schlechter Code die USA 2022 mindestens 2,41 Billionen Dollar, größtenteils durch ausgefallene Systeme im laufenden Betrieb. Praktiken wie Code-Reviews, automatisierte Prüfwerkzeuge und klare Verantwortlichkeiten pro Funktion senken dieses Risiko, und laut dem DORA-Bericht 2025 entscheiden sie inzwischen auch darüber, ob KI-Programmierassistenten einem Team tatsächlich helfen oder bestehende Probleme nur verstärken.

Codequalität beschreibt, wie gut sich ein Programm lesen, testen und ändern lässt, ohne dass an anderer Stelle etwas kaputtgeht. Wie teuer schlechte Codequalität tatsächlich wird, hat die Organisation CISQ (Consortium for Information and Software Quality) 2022 für die USA berechnet: Fehlerhafter, schlecht gewarteter und unsicherer Code verursachte im Land Kosten von mindestens 2,41 Billionen Dollar in einem einzigen Jahr, davon allein 1,52 Billionen Dollar an aufgelaufener technischer Schuld. Der Begriff technische Schuld meint den Aufwand, den ein Team später nachholen muss, weil es beim ersten Schreiben des Codes Abkürzungen genommen hat.

Unsauberer Code verlängert Fehlersuche und Wartung

Laut demselben CISQ-Bericht entfielen 1,56 Billionen Dollar der Gesamtsumme auf gescheiterte Betriebsabläufe, also auf Software, die im laufenden Betrieb ausfiel oder falsche Ergebnisse lieferte. Gut strukturierter Code lässt sich dagegen leichter durchsuchen. Wer eine Funktion klar benennt und Verantwortlichkeiten trennt, findet einen Fehler in Minuten statt in Stunden. Ein Team, das jahrelang ohne klare Struktur programmiert, merkt die Kosten oft erst spät, meist genau dann, wenn ein neues Teammitglied versucht, sich in fremden Code einzuarbeiten.

Saubere Architektur macht Software leichter erweiterbar

Skalierbare Software verkraftet mehr Nutzer, mehr Daten oder neue Funktionen, ohne dass Entwicklerteams den bestehenden Code umbauen müssen. Ein zentrales Prinzip dahinter heißt Single Responsibility: Jede Funktion und jede Klasse übernimmt genau eine Aufgabe, sodass eine Änderung an einer Stelle nicht unbeabsichtigt eine andere Stelle beeinflusst. Wer diese Regel von Anfang an einhält, kann später einzelne Module austauschen oder erweitern, ohne das gesamte System neu zu testen.

Unsicherer Code öffnet Einfallstore wie SQL-Injection und Cross-Site-Scripting

Bei einer SQL-Injection schleust ein Angreifer eigenen Datenbankcode über ein Eingabefeld ein, etwa ein Suchfeld oder ein Login-Formular, und liest oder verändert damit fremde Daten. Cross-Site-Scripting funktioniert ähnlich, nur mit eingeschleustem Programmcode, der im Browser eines anderen Nutzers ausgeführt wird. Beide Schwachstellen stehen seit Jahren auf der OWASP Top 10, der bekanntesten Liste kritischer Web-Sicherheitsrisiken der Organisation Open Web Application Security Project. Sie lassen sich mit einfachen Mitteln vermeiden: Nutzereingaben werden geprüft und niemals direkt in Datenbankbefehle oder HTML-Ausgaben übernommen.

Ineffizienter Code verbraucht mehr Rechenleistung und Energie

Effizienter Code erledigt dieselbe Aufgabe mit weniger Rechenschritten und braucht dadurch weniger Prozessorzeit, Arbeitsspeicher und Netzwerkbandbreite. In der Cloud zahlt sich das unmittelbar aus, weil Anbieter wie AWS oder Microsoft Azure Rechenzeit und Speicher nach tatsächlichem Verbrauch abrechnen. Ein Team, das seinen Code regelmäßig auf solche Engpässe prüft, senkt damit sowohl die Betriebskosten als auch den Energieverbrauch der eingesetzten Server.

Code-Reviews halten Teams auf demselben Stand

Bei Google darf laut den öffentlich einsehbaren Engineering-Richtlinien des Unternehmens keine Änderung ohne die Freigabe einer zweiten Person in den Hauptcode gelangen, unabhängig davon, wie erfahren der Autor ist. Diese Regel zwingt Teams dazu, Code so zu schreiben, dass ihn auch jemand anderes versteht. Automatisierte Werkzeuge wie SonarQube übernehmen dabei die Vorprüfung: Sie melden unsauberen Stil, doppelten Code oder bekannte Sicherheitsmuster, bevor ein Mensch überhaupt hineinschaut.

Seit 2025 entscheidet Codequalität auch über den Nutzen von KI-Werkzeugen

Der Bericht State of DevOps 2025 von DORA (DevOps Research and Assessment), einer Forschungsgruppe rund um Google, befragte fast 5.000 Fachleute aus der Softwareentwicklung und kam zu einem klaren Ergebnis: KI-Werkzeuge wie Programmierassistenten beschleunigen Teams mit sauberer Codebasis um geschätzte 2 bis 18 Prozent, verschlechtern aber die Stabilität bei Teams, die bereits vor dem KI-Einsatz mit technischer Schuld und unklaren Prozessen kämpften. Ein Programmierassistent schreibt schneller Code, er behebt aber keine schlechte Struktur, sondern baut auf ihr auf. Wer 2026 in KI-gestützte Entwicklung investiert, kommt an sauberem Code als Grundlage deshalb nicht vorbei.

Hochwertiger Code ist damit kein Selbstzweck für Entwicklerteams, sondern eine Rechnung, die Unternehmen früher oder später begleichen, ob mit Zeit in Code-Reviews heute oder mit Ausfällen und Sicherheitsvorfällen später. Wer klare Namenskonventionen, automatisierte Tests und ein zweites Augenpaar bei jeder Änderung zur festen Regel macht, spart genau die Kosten, die CISQ für die gesamte US-Wirtschaft beziffert hat.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch waren die Kosten schlechter Codequalität in den USA laut CISQ?

Laut dem CISQ-Bericht von 2022 verursachte fehlerhafter, schlecht gewarteter und unsicherer Code in den USA Kosten von mindestens 2,41 Billionen Dollar in einem einzigen Jahr, davon allein 1,56 Billionen Dollar durch gescheiterte Betriebsabläufe, also Software, die im laufenden Betrieb ausfiel oder falsche Ergebnisse lieferte. Zusätzlich zu diesem laufenden Jahresschaden beziffert der Bericht die insgesamt aufgelaufene technische Schuld auf 1,52 Billionen Dollar, einen separaten Bestandswert und keinen Teil der 2,41 Billionen Dollar.

Was bedeutet das Single-Responsibility-Prinzip in der Softwareentwicklung?

Das Single-Responsibility-Prinzip besagt, dass jede Funktion und jede Klasse genau eine Aufgabe übernimmt, sodass eine Änderung an einer Stelle nicht unbeabsichtigt eine andere Stelle beeinflusst. Teams, die diese Regel einhalten, können später einzelne Module austauschen oder erweitern, ohne das gesamte System neu testen zu müssen.

Welche Sicherheitsrisiken entstehen durch unsauberen Code?

Unsauberer Code öffnet Einfallstore wie SQL-Injection, bei der Angreifer eigenen Datenbankcode über ein Eingabefeld einschleusen, und Cross-Site-Scripting, bei dem eingeschleuster Programmcode im Browser eines anderen Nutzers ausgeführt wird. Beide Schwachstellen stehen seit Jahren auf der OWASP Top 10 und lassen sich vermeiden, indem Nutzereingaben geprüft und nie direkt in Datenbankbefehle oder HTML-Ausgaben übernommen werden.

Verschlechtern KI-Programmierassistenten die Codequalität?

Das kommt laut dem State of DevOps 2025 von DORA auf die Ausgangslage an. Bei Teams mit sauberer Codebasis beschleunigen KI-Werkzeuge die Arbeit um geschätzte 2 bis 18 Prozent, bei Teams, die bereits vor dem KI-Einsatz mit technischer Schuld und unklaren Prozessen kämpften, verschlechtern dieselben Werkzeuge dagegen die Stabilität. Ein Programmierassistent schreibt schneller Code, behebt aber keine schlechte Struktur.

Quellen

  1. The Cost of Poor Software Quality in the US: A 2022 Report, CISQ (Consortium for Information and Software Quality), abgerufen am 2026-08-26
  2. OWASP Top Ten Web Application Security Risks, OWASP Foundation, abgerufen am 2026-08-26
  3. Google Engineering Practices, The Code Review Process, Google, abgerufen am 2026-08-26
  4. State of AI-assisted Software Development 2025, DORA (Google Cloud), abgerufen am 2026-08-26

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