Künstliche Intelligenz

Aktuelle KI-Anwendungen in der Rechtsbranche

netcomputing.de Redaktion23. Mai 20235 Min. Lesezeit
Aktuelle KI-Anwendungen in der Rechtsbranche
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Zusammenfassung

In der heutigen technologiegetriebenen Welt hat die künstliche Intelligenz (KI) auch in der Rechtsbranche erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der juristischen Arbeit. Anwälte und Rechtsabteilungen erkennen zunehmend das Potenzial von KI, um ihre Effizienz zu steigern, Kosten zu senken u...

Künstliche Intelligenz (KI) verändert inzwischen mehrere Bereiche der juristischen Arbeit gleichzeitig. Anwältinnen, Anwälte und Rechtsabteilungen setzen sie ein, um Recherche und Dokumentenanalyse zu beschleunigen, Kosten zu senken und Entscheidungen auf eine breitere Datengrundlage zu stellen. Eine Umfrage der European Legal Tech Association zeigt dabei eine deutliche Lücke zwischen Interesse und Einsatz: 93 Prozent der befragten Kanzleien haben generative KI bereits ausprobiert, aber nur 41 Prozent setzen sie im laufenden Betrieb tatsächlich ein.

Rechtliche Forschung und Dokumentenanalyse

KI-Technologien wie Natural Language Processing (NLP) und maschinelles Lernen ermöglichen es Anwälten, umfangreiche rechtliche Dokumente und Fallakten effizient zu analysieren. Durch das Extrahieren relevanter Informationen, Entdecken von Mustern und Ausführen von juristischen Recherchen unterstützt KI bei der Identifizierung von relevanten Gesetzesvorschriften, Präzedenzfällen und anderen juristischen Ressourcen. Dies spart wertvolle Zeit und steigert die Genauigkeit bei der Bewertung von Fällen. Bei frei verfügbaren, nicht juristisch spezialisierten Sprachmodellen bleibt allerdings Vorsicht geboten: Nach Angaben des Deutschen Anwaltvereins liefern allgemeine KI-Modelle bei 58 bis 82 Prozent juristischer Anfragen fehlerhafte oder frei erfundene Angaben, sogenannte Halluzinationen. Spezialisierte Rechercheprogramme mit Zugriff auf geprüfte Rechtsdatenbanken und Zitiernachweis schneiden hier deutlich besser ab.

Vertragsmanagement

KI vereinfacht die Aufgabe des Vertragsmanagements erheblich. Durch die Verwendung von KI-gestützten Tools können Anwälte Verträge schnell und effizient analysieren, Risiken bewerten und relevante Klauseln identifizieren. International zählen etwa Harvey und CoCounsel von Thomson Reuters zu den bekanntesten Werkzeugen dieser Art: Harvey ist auf mehrstufige Prüfungen bei Fusionen und Übernahmen spezialisiert, CoCounsel auf Recherche mit Zitiernachweis aus der Westlaw-Datenbank. Diese Tools können auch dabei helfen, Vertragsverletzungen zu erkennen und automatische Warnungen zu generieren. Darüber hinaus können KI-basierte Lösungen Anwälte bei der Verhandlung und Erstellung von Verträgen unterstützen, indem sie Vorschläge für optimierte Formulierungen und alternative Klauseln generieren.

Vorhersage von Gerichtsentscheidungen

Durch maschinelles Lernen können KI-Systeme historische Gerichtsentscheidungen analysieren und Muster erkennen, um Vorhersagen über den Ausgang zukünftiger Fälle zu treffen. Diese Technologie unterstützt Anwälte dabei, ihre strategischen Entscheidungen zu treffen, indem sie ihnen Einblicke in die voraussichtlichen Urteile von Richtern und die Erfolgsaussichten bestimmter rechtlicher Argumente gibt. Obwohl KI-Vorhersagen nicht 100 Prozent akkurat sind, können sie eine wertvolle Orientierungshilfe sein.

Due-Diligence-Prüfungen

KI kann auch bei Due-Diligence-Prüfungen eine enorme Hilfe sein. Bei Transaktionen oder Fusionen und Übernahmen müssen Anwälte oft große Mengen an Dokumenten filtern und analysieren, um potenzielle Risiken zu identifizieren. KI-gestützte Software kann diesen Prozess beschleunigen, indem sie in kurzer Zeit eine umfangreiche Dokumentenprüfung durchführt und auf verdächtige oder relevante Inhalte hinweist. Dies ermöglicht es Anwälten, proaktiv auf potenzielle Probleme hinzuweisen und Zeit zu sparen.

Online-Streitbeilegung und Chatbots

Kanzleien setzen zunehmend KI-Chatbots ein, um mandantenseitige Standardfragen rund um die Uhr zu beantworten, etwa zum Bearbeitungsstand einer Akte oder zu Fristen. Durch die Verwendung von NLP-Technologien können Chatbots menschenähnliche Konversationen führen und erste rechtliche Einschätzungen geben. Dies ermöglicht es Anwaltskanzleien, ihren Kunden einen effizienten Kundenservice anzubieten und Kosten zu senken.

Data Security und Compliance

Seit dem 2. Februar 2025 schreibt Artikel 4 der EU-KI-Verordnung vor, dass Kanzleien und Rechtsabteilungen, die KI-Systeme einsetzen, ihre Mitarbeitenden ausreichend im Umgang damit schulen müssen. KI kann parallel dazu helfen, sensible Informationen und Daten zu schützen, etwa über automatisierte Überwachungssysteme, die verdächtiges Verhalten erkennen, unautorisierten Zugriff auf juristische Dokumente verhindern und Informationen verschlüsseln, um die Vertraulichkeit zu wahren. Mit KI-basierten Tools können Rechtsabteilungen die Einhaltung von Vorschriften und Datenschutzrichtlinien zusätzlich effektiver überwachen und Verstöße frühzeitig erkennen.

Der Umstieg auf KI-gestützte Arbeitsweisen verläuft in der Rechtsbranche ungleichmäßig: Die meisten Kanzleien haben generative KI ausprobiert, aber nur ein Teil setzt sie im täglichen Betrieb tatsächlich ein. Wer damit beginnen will, sollte mit klar abgegrenzten Anwendungsfällen wie Recherche oder Vertragsprüfung starten, spezialisierte statt allgemeine Sprachmodelle bevorzugen und jedes Ergebnis weiterhin von Fachpersonal gegenprüfen lassen, bevor es in eine Mandantenakte oder einen Schriftsatz übernommen wird.

Häufig gestellte Fragen

Wie zuverlässig sind KI-generierte Rechercheergebnisse in der Rechtsberatung?

Allgemeine, nicht spezialisierte KI-Sprachmodelle liefern nach Angaben des Deutschen Anwaltvereins bei 58 bis 82 Prozent juristischer Anfragen fehlerhafte oder erfundene Angaben. Spezialisierte Rechercheprogramme mit Zugriff auf geprüfte Datenbanken wie Westlaw und mit Zitiernachweis schneiden deutlich zuverlässiger ab, ersetzen die juristische Prüfung durch Fachpersonal aber nicht. Jedes KI-Ergebnis sollte deshalb vor der Verwendung in einem Schriftsatz gegengeprüft werden.

Welche KI-Werkzeuge nutzen Kanzleien für Vertragsprüfung und Recherche?

International zählen Harvey und CoCounsel von Thomson Reuters zu den bekanntesten Werkzeugen: Harvey ist auf mehrstufige Prüfungen bei Fusionen, Übernahmen und grenzüberschreitenden Mandaten spezialisiert, CoCounsel auf Recherche mit Zitiernachweis aus der Westlaw-Datenbank und auf Schriftsatzentwürfe. Beide richten sich in erster Linie an Kanzleien und noch nicht an unternehmensinterne Rechtsabteilungen.

Wie viele Kanzleien setzen künstliche Intelligenz tatsächlich ein?

Nach einer Umfrage der European Legal Tech Association haben 93 Prozent der befragten Kanzleien generative KI bereits ausprobiert, aber nur 41 Prozent nutzen sie im laufenden Betrieb tatsächlich. Zwischen Interesse und produktivem Einsatz liegt damit noch eine deutliche Lücke, die vor allem an fehlender Dokumentation und ungeklärter Verantwortlichkeit liegt.

Welche Pflichten entstehen durch die EU-KI-Verordnung für Kanzleien?

Artikel 4 der EU-KI-Verordnung verpflichtet seit dem 2. Februar 2025 alle Organisationen, die KI-Systeme einsetzen, darunter auch Kanzleien und Rechtsabteilungen, ihre Mitarbeitenden ausreichend im Umgang mit diesen Systemen zu schulen. Die Pflicht gilt unabhängig davon, wie risikoreich das eingesetzte KI-System eingestuft ist, und betrifft damit auch einfache Recherche- oder Chatbot-Anwendungen.

Quellen

  1. Perspektiven von KI in Anwaltskanzleien, Anwaltsblatt (Deutscher Anwaltverein), abgerufen am 2026-08-27
  2. Das sind die 10 wichtigsten Legal Tech Trends 2026, Legal-Tech-Verzeichnis, abgerufen am 2026-08-27
  3. Harvey vs CoCounsel: 2026 Side-by-Side Comparison, GC AI, abgerufen am 2026-08-27
  4. EU AI Act: Artikel 4 - KI-Kompetenz ist jetzt Pflicht, TÜV-Akademie, abgerufen am 2026-08-27

Der Content wurde mit Hilfe von KI erstellt, vor allem in der Recherche und Vorformulierung. Prüfung und Abnahme durch unsere Redaktion.