Landwirtschaft war lange ein Beruf, der sich nach Erfahrung und Faustregeln richtete: wann gesät wird, wie viel gedüngt wird, wann eine Kuh womöglich krank wird. Digitale Werkzeuge ersetzen einen Teil dieser Faustregeln inzwischen durch Messwerte, die direkt vom Feld oder vom Tier kommen. Vier Bereiche zeigen das besonders deutlich: die Feldbewirtschaftung, das Viehmanagement, die Vermarktung der Ernte und die Wetterplanung der Betriebe selbst.
Wie Satelliten- und Sensordaten die Feldbewirtschaftung steuern
Precision Farming bezeichnet den Einsatz von Sensoren, GPS und häufig auch Drohnen, um ein Feld nicht mehr als Ganzes, sondern Teilfläche für Teilfläche zu behandeln. Die Plattform xarvio Field Manager des Agrarkonzerns BASF wertet dafür Satellitenbilder aus und erstellt daraus Karten, die zeigen, wo auf einem Feld mehr oder weniger Dünger oder Pflanzenschutzmittel nötig ist. Der Hersteller John Deere lässt sich solche Applikationskarten über eine Schnittstelle direkt in sein Operations Center einspielen, die zentrale Plattform, über die viele Betriebe ihre Feld- und Maschinendaten verwalten, sodass ein Traktor die berechnete Menge automatisch je Quadratmeter ausbringt, statt eine einheitliche Menge über das ganze Feld zu verteilen.
Weil Hersteller unterschiedliche, meist nicht kompatible Plattformen anbieten, haben John Deere, CLAAS, CNH Industrial und der deutsche Anbieter 365FarmNet 2021 die gemeinsame Schnittstelle DataConnect eingeführt, damit Maschinendaten zwischen den Systemen verschiedener Hersteller überhaupt ausgetauscht werden können. Ohne eine solche Schnittstelle bräuchte ein Betrieb mit Maschinen mehrerer Marken für jede Marke eine eigene, getrennte Software.
Warum genauere Düngedaten inzwischen auch eine gesetzliche Pflicht sind
Die Nachfrage nach solchen Karten kommt nicht nur aus Kostengründen. Seit der verschärften Düngeverordnung von 2020 müssen Betriebe in Deutschland genauer nachweisen, wie viel Stickstoff sie ausbringen, besonders in Gebieten mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser. Eine Anwendung, die dokumentiert, wo wie viel gedüngt wurde, liefert diesen Nachweis automatisch als Nebenprodukt der eigentlichen Planung.
Wie ein Sensor im Magen einer Kuh Krankheiten meldet
Im Viehmanagement hat sich die Überwachung einzelner Tiere von der Beobachtung durch den Landwirt zur automatischen Messung verschoben. Das österreichische System smaXtec verwendet einen Sensor in Form und Gewicht eines Kalziumbolus, den die Kuh mit dem Futter schluckt und der anschließend dauerhaft im Pansen verbleibt. Er misst dort alle zehn Minuten die Körpertemperatur sowie Wiederkau- und Trinkverhalten und funkt die Werte an eine Basisstation im Stall. Weicht die Temperatur von der Norm ab, meldet das System das noch bevor äußere Krankheitszeichen sichtbar werden, etwa bei einer beginnenden Euterentzündung, und schlägt dem Landwirt vor, das betroffene Tier zu untersuchen.
Wie Marktdaten-Apps den Verkaufszeitpunkt beeinflussen
Landwirte verkaufen ihre Ernte meist nicht sofort, sondern lagern einen Teil ein und warten auf einen günstigeren Preis. Apps mit Echtzeit-Preisdaten von Getreide- und Ölsaatenbörsen zeigen an, wie sich Preise regional und saisonal entwickeln, und liefern zusätzlich Informationen zu Logistikdienstleistern und zur Nachfrage einzelner Abnehmer. Ein Betrieb, der diese Daten laufend verfolgt, kann seine Lagerung und den Verkaufszeitpunkt danach ausrichten, statt sich allein auf die Preisauskunft des nächsten Getreidehändlers zu verlassen.
Wie Wetterdaten Aussaat und Ernte planen helfen
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt für die Landwirtschaft eigene, engmaschigere Prognosen bereit, die über das allgemeine Wetter hinaus Angaben zu Bodenfeuchte, Frostgefahr und dem optimalen Zeitfenster für Aussaat, Grünlandschnitt oder Getreideernte liefern. Viele Agrar-Apps binden solche Daten ein und übersetzen sie in eine konkrete Empfehlung für den jeweiligen Standort, etwa den Hinweis, dass in den nächsten 48 Stunden Regen die Wirkung eines gerade ausgebrachten Pflanzenschutzmittels abschwächen würde.
Wo die Umstellung an ihre Grenzen stößt
Diese Werkzeuge setzen eine stabile Internetverbindung voraus, die auf vielen ländlichen Feldern in Deutschland noch nicht zuverlässig verfügbar ist. Dazu kommen die Anschaffungskosten für Sensorik und Software, die sich für einen kleinen Betrieb mit wenigen Hektar langsamer amortisieren als für einen Großbetrieb. Und nicht jeder Landwirt, der einen Betrieb über Jahrzehnte nach Erfahrung geführt hat, will oder kann sich kurzfristig in eine neue Software einarbeiten. Landwirtschaftskammern und Hersteller bieten deshalb zunehmend Schulungen an, die gezielt bei der laufenden Nutzung ansetzen, statt nur die Kaufentscheidung zu erklären.
Häufig gestellte Fragen
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Precision Farming?
Precision Farming bezeichnet den Einsatz von Sensoren, GPS und teils Drohnen, um ein Feld nicht als Ganzes, sondern Teilfläche für Teilfläche zu bewirtschaften. Plattformen wie der xarvio Field Manager von BASF werten dafür Satellitenbilder aus und erstellen Karten, nach denen ein Traktor Dünger oder Pflanzenschutzmittel automatisch je Quadratmeter dosiert, statt eine einheitliche Menge über das gesamte Feld zu verteilen.
Warum haben John Deere, CLAAS und weitere Hersteller die Schnittstelle DataConnect eingeführt?
Ohne eine gemeinsame Schnittstelle bräuchte ein Betrieb mit Maschinen mehrerer Marken für jede Marke eine eigene, getrennte Software, weil die Plattformen der Hersteller meist nicht miteinander kompatibel sind. John Deere, CLAAS, CNH Industrial und der deutsche Anbieter 365FarmNet führten DataConnect deshalb 2021 gemeinsam ein, damit Maschinendaten markenübergreifend ausgetauscht werden können.
Wie erkennt der Sensor von smaXtec eine Krankheit bei einer Kuh, bevor sie sichtbar wird?
Das System smaXtec verwendet einen Sensor in Form eines Kalziumbolus, den die Kuh mit dem Futter schluckt und der dauerhaft im Pansen verbleibt. Er misst dort alle zehn Minuten Körpertemperatur sowie Wiederkau- und Trinkverhalten und funkt die Werte an eine Basisstation im Stall. Weicht die Temperatur von der Norm ab, meldet das System das bereits vor äußeren Krankheitszeichen, etwa bei einer beginnenden Euterentzündung.
Welche Hürden bremsen den Einsatz digitaler Landwirtschaft-Apps in Deutschland?
Die Werkzeuge setzen eine stabile Internetverbindung voraus, die auf vielen ländlichen Feldern noch nicht zuverlässig verfügbar ist. Dazu kommen Anschaffungskosten für Sensorik und Software, die sich für kleine Betriebe langsamer amortisieren als für Großbetriebe, sowie die nötige Einarbeitung in neue Software bei Landwirten, die einen Betrieb bisher nach Erfahrung geführt haben.
