Ein Thermostat regelt die Heizung herunter, sobald niemand zu Hause ist. Eine Fabrikmaschine meldet zwei Wochen im Voraus, dass ein Lager ausfallen wird, bevor es tatsächlich passiert. Eine Kamera am Hauseingang schickt ein Bild aufs Smartphone. Alle drei Geräte gehören zum sogenannten Internet der Dinge, kurz IoT: Geräte, die über das Internet Daten senden, empfangen und miteinander austauschen, ohne dass jedes Mal ein Mensch eingreifen muss. Nach Zahlen des Marktforschers IoT Analytics waren 2024 weltweit rund 18,5 Milliarden solcher Geräte vernetzt, ein Zuwachs von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Ende 2025 rechnet das Unternehmen mit 21,1 Milliarden vernetzten Geräten.
Matter verbindet Smart-Home-Geräte verschiedener Hersteller
Bis vor kurzem war ein Smart-Home-Gerät oft an eine bestimmte App und eine bestimmte Marke gebunden. Eine Lampe von Hersteller A ließ sich nicht ohne Weiteres mit einer Steckdose von Hersteller B in derselben Automatisierung verbinden. Der Standard Matter soll das beenden. Apple, Google, Amazon und Samsung haben ihn gemeinsam über einen Branchenverband namens Connectivity Standards Alliance entwickelt, damit ein Gerät nur noch einmal eingerichtet werden muss und danach gleichzeitig in Apple Home, Google Home, Amazon Alexa und Samsung SmartThings erscheint. Die 2024 veröffentlichte Version 1.4 des Standards deckt inzwischen auch Batteriespeicher, Solaranlagen, Wärmepumpen und Ladestationen für Elektroautos ab. Wer heute ein Gerät mit Matter-Logo kauft, muss sich später also nicht auf einen einzigen Hersteller festlegen.
Fabriken nutzen Sensordaten für vorausschauende Wartung
In der Industrie geht es selten um Komfort, sondern um Ausfälle, die Geld kosten. Bosch überwacht mit seinem System Nexeed IAS Fertigungsprozesse in eigenen und in Kundenwerken: Sensoren messen dabei laufend Schwingung, Temperatur und Druck an Maschinen und melden Abweichungen, bevor daraus ein Stillstand wird. Siemens setzt für denselben Zweck auf Edge-Computing, bei dem die Daten direkt an der Maschine ausgewertet werden statt erst in einer entfernten Cloud. Das spart Zeit, wenn eine Entscheidung sofort fallen muss, etwa wenn eine Maschine wegen einer erkannten Anomalie automatisch abgeschaltet wird.
Ungeschützte Geräte werden zum Sicherheitsrisiko
Je mehr Geräte vernetzt sind, desto größer wird die Angriffsfläche. Das zeigte sich bereits 2016 am Mirai-Botnetz, das ungesicherte Kameras, Videorekorder und Heimrouter über deren werkseitig voreingestellte Passwörter kaperte und zu einem Netzwerk aus ferngesteuerten Geräten zusammenschaltete. Mit dieser gebündelten Rechenleistung legte Mirai unter anderem den DNS-Anbieter Dyn lahm und damit zeitweise Dienste wie Twitter, Netflix und Spotify für große Teile der USA. Viele der betroffenen Geräte hatten seit ihrer Auslieferung nie ein Sicherheitsupdate erhalten, weil die Hersteller keines vorgesehen hatten.
Neue EU-Regeln verpflichten Hersteller zu Updates
Genau an diesem Punkt setzt der Cyber Resilience Act der EU an, eine Verordnung, die erstmals einheitliche Mindeststandards für die IT-Sicherheit vernetzter Produkte vorschreibt. Hersteller müssen ihre Geräte künftig von Anfang an sicherheitsbewusst entwickeln und über die erwartete Nutzungsdauer hinweg, mindestens aber fünf Jahre lang, mit Sicherheitsupdates versorgen. Ab dem 11. September 2026 müssen aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken innerhalb von 24 Stunden an die europäische Cybersicherheitsagentur ENISA gemeldet werden, ab dem 11. Dezember 2027 gilt die Verordnung vollständig für alle betroffenen Produkte auf dem EU-Markt. Für Käufer bedeutet das langfristig weniger Geräte, die nach zwei Jahren ganz ohne Support dastehen.
Die spannendere Frage ist inzwischen weniger, wie viele Geräte am Ende vernetzt sind, sondern wie gut sie sich gegen Missbrauch schützen lassen und wie lange ein Hersteller dafür geradesteht. Der Cyber Resilience Act gibt darauf ab 2027 eine verbindliche Antwort, für Geräte, die schon heute im Umlauf sind, gilt sie allerdings nicht rückwirkend.
Häufig gestellte Fragen
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Matter?
Matter ist ein gemeinsamer Standard von Apple, Google, Amazon und Samsung über die Connectivity Standards Alliance, der Smart-Home-Geräte verschiedener Hersteller kompatibel macht. Ein Gerät mit Matter-Logo lässt sich in Apple Home, Google Home, Amazon Alexa und Samsung SmartThings gleichzeitig nutzen. Die 2024 veröffentlichte Version 1.4 deckt zusätzlich Batteriespeicher, Solaranlagen, Wärmepumpen und Ladestationen für Elektroautos ab.
Was war das Mirai-Botnetz und warum ist es relevant für IoT-Sicherheit?
Mirai kaperte 2016 ungesicherte Kameras, Videorekorder und Heimrouter über deren werkseitig voreingestellte Passwörter und schaltete sie zu einem ferngesteuerten Netzwerk zusammen. Mit der gebündelten Rechenleistung legte das Botnetz den DNS-Anbieter Dyn lahm, wodurch Dienste wie Twitter, Netflix und Spotify zeitweise für große Teile der USA ausfielen. Viele betroffene Geräte hatten seit ihrer Auslieferung nie ein Sicherheitsupdate erhalten.
Ab wann gelten die neuen EU-Vorgaben aus dem Cyber Resilience Act?
Ab dem 11. September 2026 müssen Hersteller aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken innerhalb von 24 Stunden an die europäische Cybersicherheitsagentur ENISA melden. Vollständig verbindlich für alle betroffenen Produkte auf dem EU-Markt wird die Verordnung ab dem 11. Dezember 2027. Für Geräte, die schon vorher im Umlauf sind, gilt sie nicht rückwirkend.
Wie viele IoT-Geräte sind aktuell weltweit vernetzt?
Nach Zahlen des Marktforschers IoT Analytics waren 2024 weltweit rund 18,5 Milliarden Geräte vernetzt, ein Zuwachs von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Ende 2025 rechnet das Unternehmen mit 21,1 Milliarden vernetzten Geräten.
