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ARKit und ARCore etablieren Augmented Reality in der App-Entwicklung

netcomputing.de Redaktion21. September 20225 Min. Lesezeit
ARKit und ARCore etablieren Augmented Reality in der App-Entwicklung
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Zusammenfassung

Augmented Reality legt digitale Objekte über das Kamerabild eines Smartphones, ganz ohne VR-Brille. Seit ARKit von Apple und ARCore von Google den Entwicklerteams die technische Basisarbeit abnehmen, ist die Technik vom Sonderfall zum Standardbaustein in Apps geworden. Beispiele wie die Möbel-App IKEA Kreativ oder die Navigationsfunktion Google Maps Live View zeigen den praktischen Nutzen, während Gerätevielfalt und Akkuverbrauch weiterhin echten Testaufwand verursachen.

Augmented Reality legt digitale Objekte über das Kamerabild eines Smartphones oder Tablets, in Echtzeit und passend zur Perspektive des Geräts. Anders als Virtual Reality braucht die Technik keine geschlossene Brille: Ein normales Handy reicht, um ein virtuelles Sofa im eigenen Wohnzimmer zu sehen oder eine Route als Pfeil auf dem Gehweg eingeblendet zu bekommen. Seit Apple 2017 sein Entwicklerwerkzeug ARKit vorstellte und Google kurz darauf mit ARCore nachzog, ist Augmented Reality kein Sonderfall mehr in der App-Entwicklung, sondern ein Baustein, den Entwicklerteams gezielt einplanen.

ARKit und ARCore senken die Einstiegshürde für Entwicklerteams

ARKit und ARCore übernehmen die aufwendigsten Teile einer AR-Funktion selbst: Sie erkennen Flächen im Raum, schätzen Lichtverhältnisse ein und verfolgen die Position eines virtuellen Objekts, während sich das Gerät bewegt. Entwicklerteams müssen diese Berechnungen nicht mehr selbst programmieren. Wer plattformübergreifend arbeiten will, greift häufig zur Engine Unity oder zum SDK Vuforia, die beide Frameworks unter einer gemeinsamen Oberfläche ansteuern. Eine dritte, browserbasierte Alternative heißt WebXR: Sie zeigt AR-Inhalte direkt in Chrome oder Safari an, ganz ohne App-Installation, allerdings mit weniger Funktionsumfang als eine native App. Seit 2024 kommt mit visionOS für die Apple Vision Pro eine weitere Zielplattform hinzu, die AR- und VR-Inhalte im selben Gerät kombiniert und als eigenes Marktsegment für sogenannte Spatial-Computing-Apps gilt.

WerkzeugAnbieterVoraussetzungTypischer Einsatz
ARKitAppleiPhone oder iPad mit iOSNative iOS-Apps
ARCoreGoogleAndroid-Gerät mit Play-Diensten für ARNative Android-Apps
WebXRW3C-Standard, browserseitig umgesetztAktueller Browser, kein App-DownloadSchnelle Demos, Marketing-Landingpages

Digitale Objekte in der Kamerasicht verändern die Bedienung

Wer ein Objekt nicht nur ansieht, sondern virtuell um es herumgehen kann, bewertet es anders als auf einem Produktfoto. Google nutzt dieses Prinzip in Google Maps: Die Funktion Live View blendet Pfeile und Straßennamen direkt in das Kamerabild ein, sodass Fußgänger in fremden Städten nicht mehr zwischen Karte und Umgebung hin und her schauen müssen. Für App-Entwicklerteams bedeutet das einen Wechsel in der Bedienlogik. Statt Buttons und Listen zu entwerfen, planen sie, wie sich ein Nutzer im Raum bewegt und aus welchem Winkel er ein Objekt betrachtet.

IKEA platziert Möbel virtuell in Kundenwohnzimmern vor dem Kauf

Die App IKEA Kreativ platziert Möbelstücke maßstabsgetreu im eigenen Wohnraum, bevor ein Kunde etwas kauft. Die Kamera vermisst dafür Wände und Böden, die App setzt Sofa oder Regal virtuell an die gewünschte Stelle. Ähnliche Technik nutzt der Kosmetikkonzern L'Oréal mit seiner Marke ModiFace, um Lippenstift- oder Make-up-Farben virtuell im Gesicht darzustellen, bevor jemand ein Produkt bestellt. Beide Beispiele verschieben die Kaufentscheidung von der Vorstellung zum Anschauen.

Architektur und Medizin setzen Augmented Reality gezielt ein

Auf Baustellen blenden Architekturbüros Baupläne direkt über das reale Gebäude ein, um Abweichungen sofort zu erkennen, statt Plan und Wirklichkeit im Kopf zu vergleichen. In einzelnen Kliniken kommen Mixed-Reality-Headsets wie die Microsoft HoloLens bei der Planung von Operationen zum Einsatz: Chirurgen sehen Röntgen- oder CT-Daten direkt über dem Patienten, ohne den Blick auf einen separaten Bildschirm zu richten. Beide Einsatzfelder verlangen deutlich höhere Genauigkeit als eine Marketing-App, weshalb die zugrunde liegende Software meist von spezialisierten Anbietern stammt statt von üblichen App-Agenturen.

AR-Funktionen kosten mehr Entwicklungszeit und eigene Testgeräte

Der größte Aufwand entsteht nicht beim Programmieren selbst, sondern beim Testen. ARCore muss auf Hunderten unterschiedlichen Android-Geräten mit verschiedenen Kameras und Sensoren funktionieren, und ältere oder günstige Modelle unterstützen die Technik oft gar nicht. Die Objekterkennung reagiert außerdem empfindlich auf Lichtverhältnisse und einfarbige Flächen wie eine leere weiße Wand. Weil Kamera und Grafikchip durchgehend arbeiten, heizen sich Geräte bei AR-Nutzung schneller auf, und der Akku sinkt merklich schneller als bei einer gewöhnlichen App. Entwicklerteams brauchen deshalb einen eigenen Bestand an Testgeräten, denn kein Simulator ersetzt den Blick auf ein reales Smartphone in einem echten Raum.

Mit der Vision Pro hat Apple 2024 gezeigt, wohin sich AR als Nächstes bewegt: weg vom Handy in der Hand, hin zu einem Gerät, das den ganzen Sichtbereich ersetzt. Für die meisten Unternehmen bleibt das Smartphone vorerst die Zielplattform, weil es bereits in jeder Tasche steckt. Wer heute eine App mit AR-Funktion plant, sollte deshalb zuerst festlegen, welches Problem die Technik löst, und erst danach entscheiden, ob ARKit, ARCore oder ein plattformübergreifendes Werkzeug wie Unity zum Projekt passt.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheiden sich ARKit, ARCore und WebXR voneinander?

ARKit stammt von Apple und läuft auf iPhone oder iPad, ARCore ist das Gegenstück von Google für Android-Geräte mit Play-Diensten für AR. Beide sind native Frameworks für jeweils eine Plattform. WebXR zeigt AR-Inhalte dagegen direkt im Browser an, ganz ohne App-Installation, allerdings mit weniger Funktionsumfang als eine native App.

Warum verbraucht eine App mit AR-Funktion mehr Akku als eine gewöhnliche App?

Kamera und Grafikchip arbeiten bei einer AR-Funktion durchgehend, um Flächen zu erkennen und ein virtuelles Objekt an seiner Position zu halten. Dadurch heizen sich Geräte schneller auf, und der Akku sinkt merklich schneller als bei einer gewöhnlichen App. Die Objekterkennung reagiert zusätzlich empfindlich auf schlechte Lichtverhältnisse und einfarbige Flächen.

Wie setzt die App IKEA Kreativ Augmented Reality beim Möbelkauf ein?

Die App vermisst mit der Kamera Wände und Böden eines Raums und platziert Möbelstücke wie ein Sofa oder Regal maßstabsgetreu virtuell an der gewünschten Stelle, bevor ein Kunde etwas kauft. Der Kosmetikkonzern L'Oréal setzt mit seiner Marke ModiFace ein ähnliches Prinzip für Make-up-Farben im Gesicht ein.

Was ändert sich mit der Apple Vision Pro und visionOS für Entwicklerteams?

Seit 2024 kommt mit visionOS eine weitere Zielplattform hinzu, die AR- und VR-Inhalte im selben Gerät kombiniert und als eigenes Marktsegment für Spatial-Computing-Apps gilt. Für die meisten Unternehmen bleibt das Smartphone aber vorerst die naheliegendere Zielplattform, weil es bereits in jeder Tasche steckt.

Quellen

  1. ARKit, Apple Developer Dokumentation, Apple Developer, abgerufen am 2026-08-26
  2. ARCore, Build new augmented reality experiences, Google for Developers, abgerufen am 2026-08-26
  3. A new sense of direction with Live View, Google Blog, abgerufen am 2026-08-26
  4. IKEA launches new AI-powered, digital experience empowering customers to create lifelike room designs, IKEA Newsroom, abgerufen am 2026-08-26
  5. WebXR Device API, W3C, abgerufen am 2026-08-26

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