Progressive Web Apps (PWA) sind Webanwendungen, die sich wie eine native App auf dem Startbildschirm installieren lassen, ohne den Umweg über einen App Store zu benötigen. Technisch beruhen sie auf drei Bausteinen: einem Service Worker, der Inhalte im Hintergrund zwischenspeichert und auch ohne Internetverbindung bereitstellt, einem Web App Manifest, das App-Icon und Startbildschirm festlegt, und einer verschlüsselten HTTPS-Verbindung. Mehrere große Anbieter haben mit PWAs bereits belegte Ergebnisse erzielt, die zeigen, wo sich der Ansatz für Unternehmen lohnt und wo nicht.
Wie Twitter mit einer PWA Ladezeit und Reichweite verbesserte
Twitter veröffentlichte 2017 mit Twitter Lite eine PWA, die nach eigenen Angaben bis zu 70 Prozent weniger mobile Daten verbraucht als die reguläre App und unter 3G-Verbindungen in weniger als fünf Sekunden lädt. Nach der Einführung sank die Absprungrate um 20 Prozent, während die Seitenaufrufe pro Sitzung um 65 Prozent und die Zahl der versendeten Tweets um 75 Prozent stiegen. Der Effekt kam vor allem aus Märkten mit langsamen Mobilfunknetzen oder teuren Datentarifen, wo eine kleinere Dateigröße direkt über Nutzung oder Abbruch entscheidet.
Wie Pinterest Interaktion und Werbeeinnahmen steigerte
Pinterest baute seine mobile Website 2017 als PWA neu auf, nachdem die alte Version nur ein Prozent der Besucher zu einer Anmeldung, einem Login oder einer App-Installation bewegt hatte. Nach dem Umbau stieg die Verweildauer um 40 Prozent und die werberelevanten Kernaktionen der Nutzer um 60 Prozent, die wöchentlich aktiven Nutzer auf der mobilen Website verdoppelten sich nahezu. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Werbeeinnahmen beruht, übersetzt sich mehr Verweildauer direkt in mehr ausgespielte Anzeigen.
Offline-Zugriff, weil eine Internetverbindung nicht garantiert ist
Ein Service Worker läuft im Hintergrund des Browsers und speichert zuvor geladene Inhalte lokal auf dem Gerät. Öffnet ein Nutzer die App erneut, ohne dass eine Internetverbindung besteht, zeigt sie trotzdem die zuletzt geladenen Inhalte an, statt eine Fehlermeldung auszugeben. Für eine Bahn-App bedeutet das: Ein Ticket, das einmal geladen wurde, lässt sich auch im Funkloch noch anzeigen. Für einen Onlineshop bedeutet es vor allem, dass ein Kunde mit schwankendem Empfang die Produktseite nicht neu laden muss, sondern in der zwischengespeicherten Version weiterblättern kann.
Weniger Speicherplatz als eine native App
Eine native App wird vollständig heruntergeladen und belegt dauerhaft Speicherplatz auf dem Gerät, oft mehrere hundert Megabyte. Eine PWA lädt Inhalte dagegen bei Bedarf nach und benötigt in der Regel nur einen Bruchteil davon. Für Nutzer mit älteren oder günstigeren Smartphones, deren Speicher schneller an seine Grenzen stößt, senkt das die Hürde, eine Anwendung überhaupt zu installieren.
Auffindbarkeit über Suchmaschinen statt nur über den App Store
Eine native App findet nur, wer gezielt im App Store danach sucht. Eine PWA ist dagegen eine gewöhnliche Website mit eigener URL, die Google und andere Suchmaschinen indizieren und in den Suchergebnissen anzeigen können. Ein Nutzer, der über eine Google-Suche auf die Website eines Unternehmens gelangt, kann die PWA direkt im Browser öffnen und bei Interesse mit einem Klick auf dem Startbildschirm installieren, ohne vorher den Umweg über einen App-Store-Eintrag zu nehmen.
Aktualisierungen ohne Freigabeprozess eines App Stores
Eine Änderung an einer nativen App muss vor der Veröffentlichung durch den Prüfprozess von Apples App Store oder Google Play, was je nach Plattform von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern kann. Eine PWA wird dagegen wie eine normale Website aktualisiert. Sobald der neue Code auf dem Server liegt, sehen Nutzer beim nächsten Öffnen die aktuelle Version. Für Unternehmen, die häufig Preise, Verfügbarkeiten oder Inhalte ändern müssen, entfällt damit eine Verzögerung, die bei einer nativen App eingeplant werden muss.
Wo eine native App trotzdem die bessere Wahl bleibt
PWAs haben auch Grenzen. Der Zugriff auf bestimmte Gerätefunktionen ist eingeschränkter als bei einer nativen App. Bluetooth-Verbindungen zu Fitness-Trackern oder tiefgehende Kamerasteuerung etwa unterstützen viele Browser nur teilweise. Auf iOS-Geräten hat Apple den Funktionsumfang von PWAs lange stärker eingeschränkt als auf Android, etwa bei Push-Benachrichtigungen, die erst seit iOS 16.4 im März 2023 unterstützt werden. Wer auf Funktionen angewiesen ist, die tief ins Betriebssystem eingreifen, kommt an einer nativen App weiterhin nicht vorbei.
Ob sich eine PWA für ein Unternehmen lohnt, hängt vor allem davon ab, wie die Zielgruppe unterwegs ist. Twitter und Pinterest haben ihre größten Effekte in Märkten mit langsamen Netzen und knappem Datenvolumen gemessen. Wer überwiegend Kunden mit schnellem WLAN und aktuellen Smartphones bedient, wird einen kleineren Unterschied sehen.
Häufig gestellte Fragen
Aus welchen drei technischen Bausteinen besteht eine Progressive Web App?
Eine PWA beruht auf einem Service Worker, der Inhalte im Hintergrund zwischenspeichert und auch ohne Internetverbindung bereitstellt, einem Web App Manifest, das App-Icon und Startbildschirm festlegt, und einer verschlüsselten HTTPS-Verbindung. Diese Kombination erlaubt die Installation auf dem Startbildschirm, ohne dass ein App Store nötig ist.
Welche Ergebnisse erzielte Twitter mit seiner PWA Twitter Lite?
Twitter Lite verbrauchte nach eigenen Angaben bis zu 70 Prozent weniger mobile Daten als die reguläre App und lud unter 3G-Verbindungen in weniger als fünf Sekunden. Nach der Einführung sank die Absprungrate um 20 Prozent, während die Seitenaufrufe pro Sitzung um 65 Prozent und die Zahl der versendeten Tweets um 75 Prozent stiegen. Der Effekt kam vor allem aus Märkten mit langsamen Mobilfunknetzen oder teuren Datentarifen.
Wann bleibt eine native App die bessere Wahl gegenüber einer PWA?
Der Zugriff auf bestimmte Gerätefunktionen ist bei einer PWA eingeschränkter, etwa bei Bluetooth-Verbindungen zu Fitness-Trackern oder tiefgehender Kamerasteuerung. Apple hat den Funktionsumfang von PWAs auf iOS-Geräten zudem lange stärker eingeschränkt als auf Android. Push-Benachrichtigungen werden dort beispielsweise erst seit iOS 16.4 im März 2023 unterstützt. Wer auf Funktionen angewiesen ist, die tief ins Betriebssystem eingreifen, kommt an einer nativen App weiterhin nicht vorbei.
Warum lassen sich PWAs schneller aktualisieren als native Apps?
Eine native App muss vor jeder Veröffentlichung durch den Prüfprozess von Apples App Store oder Google Play, was je nach Plattform von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern kann. Eine PWA wird dagegen wie eine normale Website aktualisiert. Sobald der neue Code auf dem Server liegt, sehen Nutzer beim nächsten Öffnen bereits die aktuelle Version.
